Die Geschichte

Wie alles begann

Die Anfänge als “Blau-Weiß” Erftstadt.

Der Verein wurde 1970 unter dem Namen “Blau-Weiß” Erftstadt, noch als traditioneller Spielmannszug, vom heutigen Ehrenvorsitzenden Horst Moitzheim gegründet. Damals war ein Jahr zuvor die Stadt Erftstadt gegründet worden. Ein Zusammenschluss von 14 Stadteilen zu diesem neuen Stadtgebiet. Das Besondere daran ist, dass es ein Ortschaft namens “Erftstadt” überhaupt nicht gibt. Trotzdem entschieden sich die Vereinsgründer diesen Namen als Vereinsnamen zu nutzen. So sollte gezeigt werden, dass der Verein sich auf die Fahne geschrieben hatte, dass gesamte neue Stadtgebiet musikalisch zu vertreten. Etwas, was bis heute ein Kernbestandteil der Vereinsarbeit ist. Probenort ist jedoch der nördlichste Stadtteil von Erftstadt, Gymnich.

Schon damals schrieb sich der Verein auch die Jugendarbeit ganz groß auf seine Fahnen. Bis heute spielt diese mit diversen sozialen Projekten und einer seit Jahren erfolgreichen musikalischen Früherziehung eine gewaltige Rolle. 2008 und 2016 wurde “Gut Klang”, maßgeblich auch wegen diesem sozialen Engagement, mit dem Kulturpreis Rhein-Erft und der Carl-Schurz-Medaille der Stadt Erftstadt ausgezeichnet. Nicht umsonst lautet das Motto des Vereins “Musik grenzt keinen aus!”. Dies spiegelt sich maßgeblich in der kostenlosen Ausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an orchestertypischen Instrumenten wider. Religion, Herkunft oder finanzieller Hintergrund spielen für den Verein absolut keine Rolle.

Die Fusion

JTK “Gut Klang” Oberaußem in frühen Jahren.

1994 war ein wichtiges Jahr für den Verein. In diesem Jahr fanden Gespräche zwischen den Vorständen der Vereine “Blau-Weiß” Erftstadt und dem JTK “Gut Klang” Oberaußem statt. Ziel dieser Gespräch war es, die Möglichkeit einer Kooperation zu klären. Das JTK, welches 1975 gegründet wurde, hatte seine Heimat im Bergheimer Stadtteil Oberaußem. Dort ergab sich jedoch die Schwierigkeit, dass keine Probenräume mehr zur Verfügung standen. Die zahlreichen, meist noch sehr jungen Musiker dieses Vereins, waren so gezwungen große logistische Probleme in Kauf zu nehmen, um ihrer Probenarbeit nachzukommen. Etwas, was auf Dauer nicht funktionieren konnte.

In Erftstadt hingegen gab es diese Probleme nicht. Schon seit Jahrzehnten hatte man seine Probenräume in der Grundschule von Gymnich. Jedoch gab es in Erftstadt das Problem, dass die Mitgliederzahl stark sank. So kamen beide Vereine überein, dass man sich hier gegenseitig helfen könne.

Gruppenbild als Spielgemeinschaft Oberaußem/Erftstadt.

Zunächst als Projekt angesetzt und um zu testen ob eine Zusammenarbeit möglich sei, startete man 1994 als Spielgemeinschaft bei der Deutschen Meisterschaft des DBV. Hier schaffte man es dann tatsächlich, den Titel zu holen.

Nach diesem sehr erfolgreichen Abschluss des Projektes, entschlossen sich beide Vereine zur Fusion. Wobei es aus rechtlichen Gründen keine richtige Fusion war. Das JTK “Gut Klang” Oberaußem löste sich auf. Die Mitglieder schlossen sich “Blau-Weiß” Erftstadt an. Dieser änderte seinen Namen nun in “Gut Klang” Erftstadt, um so den neuen gemeinsamen Weg auch im Namen zu verdeutlichen.

Der Wandel

1999 war man im Vereinsvorstand auf der Suche nach einer neuen musikalischen Herausforderung. Schon immer war es das Vereinsziel durch Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben, seine musikalischen Fähigkeiten zu verbessern. Eine solche Verbesserungsmöglichkeit sah man im Landesorchesterwettbewerb welcher 1999 in Mönchengladbach stattfand. Ein Wettbewerb, der sich nicht ausschließlich an Spielmannszüge richtete sondern an alle Arten von Laienorchestern in NRW. Dies war das erste Mal das man als Verein an einem solchen Wettbewerb teilnahm. Man schaffte es auch sich dort für den übergeordneten Deutschen Orchesterwettbewerb (DOW) im Jahr 2000 in Karlsruhe zu qualifizieren.

Erste Böhmflötengruppe von “Gut Klang” Erftstadt.

Zur Vorbereitung auf den DOW hatte man zum ersten Mal Kontakt mit sogenannten Originalkompositionen für Spielleute. Schon dadurch wurde man in der Vorbereitung musikalisch sehr viel mehr gefordert, als das in der Vergangenheit der Fall war. Mit großer Zuversicht startete man dann beim DOW in Karlsruhe und wurde “sensationell” Vorletzter. Man steckte jetzt aber nicht den Kopf in den Sand, sondern wollte diesen neuen musikalischen Weg erfolgreich gestalten. Man hatte neue instrumentale Möglichkeiten in Karlsruhe kennengelernt. Neben dem Einsatz von diversen neuen Großinstrumenten wie bspw. Kesselpauken oder auch Marimba, Xylophon & Co., verliebte man sich in den Klang der Böhmflöte. Eine Flöte wie man sie aus Symphonieorchestern kennt und völlig anders klang als die damals in Spielmannszügen üblichen klappenlosen Trommelpfeifen (Sandnerflöte). Die Umstellung von einem Spielmannszug hin zu einem Flötenorchester war nun das Ziel.

Doch die Umstellung sollte nicht abrupt erfolgen. Nach und nach wurden immer mehr Böhmflöten eingesetzt. 2001 noch auf freiwilliger Basis und nur in Ensembleform, wurde die neue Flötenart in kleinen Schritten in das Orchester eingefügt. Auch diverse Großinstrumente hielten Einzug in das Orchesterleben. Mit den neuen Instrumenten ergaben sich auch neue musikalische Möglichkeiten und auch neue musikalische Wünsche der Musiker. Diese wurden alle mit und mit erfüllt. So konnte man beim nächsten DOW 2004 in Osnabrück bereits den 4. Rang erzielen.

Auftritt beim DOW 2004 in Osnabrück.

Das Jahr 2005 war dann ein entscheidendes bei dem angestrebten Wandel. Hier entschloss man sich nicht mehr auf der Straße, also Schützenfeste und Karnevalszüge, zu musizieren. Im wesentlichen gab es hierfür zwei Gründe. Zunächst war da das neue Instrumentarium und auch die Konzentration die man auf den musikalischen Wandel legen wollte, dann aber auch ein einsetzender Mitgliederschwund der wegen der “Straßenmusik” einsetzte. Ein Schwund, welcher beinahe vereinsbedrohend war.

Erfolgreiche Zeiten

Jubel nach dem Erfolg beim DOW 2008 in Wuppertal.

2006 verließ aus beruflichen Gründen der damals langjährige Dirigent Georg Bollig den Verein. Für Ihn kam der stellv. Orchesterleiter des RWE-Orchesters Bruno Strake. Mit ihm kamen auch neue musikalische Ideen und Wege diese zu erlernen. Auch Aufgrund einer guten musikalischen Basis, welche unter dem Vorgänger gelegt wurde, machte das Orchester schnell einen großen Schritt nach vorne. Dies zeigte sich bereits zwei Jahre später 2008 beim DOW in Wuppertal. Hier konnten man den Titel Preisträger & Kategoriesieger des DOW erringen. Der bis dahin größte Erfolg des Orchesters. 2008 war auch das Jahr, in dem man die Umstellung hin zur kompletten Böhmflötenbesetzung abgeschlossen hatte.

Deutscher Meister 2010

2010 musste Bruno Strake das Orchester leider wieder verlassen. Für ihn kam Bernd Wysk. Wysk hatte sehr große Erfahrungen im Bereich der Spielleute und der aufkommenden Flötenorchester-Szene. Unter ihm machte das Orchester wieder einen Schritt nach vorne und konnte so seinen ersten Meistertitel im BDMV erzielen. Diesen holte man 2010 in Rastede.

Doch bereits 2011 erfolgte wieder ein Wechsel am Taktstock. Diesmal wurde dieser von einem Orchestermitglied übernommen. Christoph Ahlemeyer war nun der musikalische Leiter des Vereins. Als gelernter Rhythmiker, machte vor allem die Rhythmusabteilung von “Gut Klang” einen großen Schritt nach vorne. Als guter und erfolgreicher Komponist, profitierte das Orchester auch von Ahlemeyers Stücken. 2013 gipfelte das dann in der Titelverteidigung des Deutschen Meisters in Chemnitz.

Deutscher Meister 2013

2013 war auch das Jahr, in dem ein erneuter Dirigentenwechsel anstand. Diesmal wurde der Taktstock an David Krohn übergeben. Krohn hatte schon als Dozent mit dem Orchester zusammengearbeitet. So gab es keine große Eingewöhnungszeit. Als studierter Musiker an der Querflöte gewannen vorallem die Flötisten unter seiner Leitung an Qualität. Doch auch Krohn konnte nur bis 2016 bleiben. Dann ging der Dirigentenstab erneut weiter.

Deutscher Meister 2016

Dieser wurde dann von Tobias Lempfer übernommen. Lempfer ist ein bekannter Name in der Welt der Spielleute und Flötenorchester. Mehrere hervorragende Kompositionen auf höchstem Niveau stammen aus seiner Feder. Als studierter Musikpädagoge hatte Lempfer schon mit vielen Orchestern bundesweit erfolgreich zusammengearbeitet. Unter seinem Dirigat, konnte “Gut Klang” 2016 wiederum in Rastede, seinen dritten Meistertitel in Folge gewinnen.

Deutscher Meister 2019

Der bisher letzte Dirigentenwechsel fand dann im Dezember 2018 statt. Aus beruflichen Gründen musste Lempfer sein Amt als Dirigent von “Gut Klang” Erftstadt niederlegen. Sein Nachfolger wurde ein Niederländer. Mit Henk Smit gewann das Orchester eine absolute Koryphäe im Bereich der Orchestermusik. Smit ist ein studierter Dirigent und Musiker und bewegt sich musikalisch als Dozent, Dirigent und Jurymitglied auf internationalem Parket. Ein riesiger Gewinn für das gesamte Orchester, welches sich auch in dem vierten Deutschen Meistertitel welcher 2019 in Osnabrück errungen wurde, widerspiegelt.

Heute

Henk Smit

Mit dem neuen Dirigenten Henk Smit haben sich überraschende und vielfältige neue Wege eröffnet. Dem Orchester wurden, unter seiner Leitung, aufgezeigt, dass das musikalische Entwicklungspotential noch lange nicht ausgeschöpft ist. Man kann fast sagen das man erkannt hat das man musikalisch erst am Anfang steht. Mit Smit hat man nun diesen neuen Weg beschritten. Schon bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Osnabrück waren die Anfänge zu erkennen. Doch dies sind nur die ersten kleinen Schritte in eine neue große und vielfältige Musikwelt gewesen. Das Orchester möchte sich nun zu einem symphonischen Flötenorchester weiterentwickeln. Dies ist noch ein langer Weg den man aber gemeinsam mit seinem neuen Dirigenten glaubt erfolgreich beschreiten zu können.